Unsere Vereinsgeschichte

Schon um das Jahr 1850 gab es nach Aussagen der ältesten Musikanten von 1939 und deren Vorgängern eine Blasmusikkapelle im Markt Nesselwang. Nach der Zeit im Jahre 1848 der endgültigen Bauernbefreiung und Jagdfreigabe konnten sich unter günstigeren Verhältnissen Vereine kultureller und gesellschaftlicher Art bilden und entwickeln. Zu dieser Zeit gab es noch häufige Auswanderungen nach Amerika. Es ist nicht mehr bekannt, wie stark die erste Blasmusikkapelle damals war, doch folgende Namen ihrer Mitglieder sind noch festgehalten: Eberle Johann, Eberle Albert, Sparrer Ludwig, Dopfer Michael, Hierling Sebastian, Kudermann Michael und Hiltensperger Martin.

Diese Kapelle war sowohl mit Blech- als auch mit Holzinstrumenten besetzt. Albert Eberle, der Holzinstrumentenmacher (Flautenmacher) dürfte hier wesentlich zur Bereicherung beigetragen haben. Die Tätigkeit dieser Musikgruppe umfasste hauptsächlich das Spielen bei Hochzeiten und Bällen. Ihre Mitglieder waren neben ihrer musikalischen Mitwirkung bei öffentlichen Veranstaltungen besonders durch ihre unbändige Trinkfestigkeit bekannt gewesen. So wurde erzählt, dass sie einmal eine Wette, unter einem Hochzeitsamt ein 60 Liter Fass Bier zu leeren, gewonnen hätten, nachdem sie einmal bei gleicher Gelegenheit im Gasthaus Post bei 53 Maß meinten, „man könnte eigentlich gerade schon noch mehr trinken“. Im Volksmund blieben 1939 noch weitere diesbezügliche Leistungen erhalten. Nach dem Jahre 1860 sollen dann die meisten dieser ersten Nesselwanger Blasmusikanten ersetzt worden sein. 1863 trat der Althornist Josef Anton Gabler, Bäckermeister aus dem Haus Nr. 18 (heute Hauptstr.23) das Amt des Dirigenten der „Blasmusik Nesselwang“ an. Die Besetzung war damals 10-stimmig. Die Musikinstrumente kauften damals die Musikanten selbst, meistens beim Blechinstrumentenmacher Riefler in Maria Rain, einem Bruder des bekannten Clemens Riefler (Begründer der Fa. Riefler, Fabrik mathematischer Instrumente in Nesselwang – 1841). Dort wurden auch Reparaturen ausgeführt. Die benötigten Noten beschaffte sich der Dirigent Josef Anton Gabler auf folgende Weise. Er tauschte seine Eigenkompositionen für 5-stimmige Tanzmusik bei der damaligen Militärmusik in Kempten gegen Konzertstücke zum Abschreiben. Diese Tanzstücke Gablers wanderten von Kempten dann später weiter und wurden um 1939 sogar von einer Kapelle im Rundfunk gespielt. Als Festkleidung wurden von der „Blasmusik Nesselwang“ damals schon einheitlich schwarze Anzüge mit hohen Zylindern getragen. In der Zeit des Aufbruchs der Nesselwanger Musikanten wurde das Vereinsleben durch den Bruderkrieg zwischen Preußen und Österreich-Bayern im Jahre 1866 jäh unterbrochen. Damals kamen die 41 eingezogenen Nesselwanger alle wieder gesund und unverwundet in ihre Heimat zurück.
Der Dirigent Josef Anton Gabler schulte in der Folgezeit seine 10-stimmige Blasmusik zu einer vorbildlichen Kapelle, die sich im weiten Umkreis einen guten Ruf erwarb. So wurden die Nesselwanger Musikanten mehrmals bei besonderen Anlässen von König Ludwig ins Schloss Hohenschwangau berufen, wo sie einmal die Ouvertüre „Dichter und Bauer“ unter großer Anerkennung aufführten. Dafür wurden sie reichlich bewirtet und mit einem 20 Mark-Goldstück (Goldfuchs) belohnt. Doch schon im Jahre 1870 kam es zum Krieg gegen Frankreich, der bis zum Frühjahr 1871 dauerte. Vier Musikmitglieder mussten damals mit vielen anderen Nesselwangern in diesen, mit großer Begeisterung geführten Krieg ziehen. Der Sieg über Frankreich und die Gründung des II. Deutschen Reiches gaben damals Anlass zu einer allgemeinen Euphorie, die sich auch im Vereinsleben, vor allem in der Musik (Militärmusik-Marschmusik) ausdrückte. Leider gab es auch damals schon Musikanten, die Starallüren hatten und durch Unzuverlässigkeit und Abwesenheit glänzten, was die Musikkapelle in immer größere Schwierigkeiten brachte. Kurz entschlossen bildete der unermüdliche Dirigent Gabler einige Burschen aus, um eine neue Kapelle aufzustellen. In den Jahren 1883/84 schulte er nun sieben junge Bläser heran und konnte schon ab 1885 eine 9-stimmige Blechmusik präsentieren. Die Instrumente kauften die jungen Musiker selbst, nur ein neuer Bombardon wurde durch eine Haussammlung finanziert. Am Veteranenjahrtag 1885 spielte die Blechmusikkapelle das erste Mal auf. Dirigent war nun der jeweilige Hoch C Trompeter, von 1885-87 Unsinn Michael und ab Dezember 1887 Köberle Otto, der spätere Schwiegersohn des Dirigenten Josef Anton Gabler. Als Probelokal diente das Nebenzimmer des Gasthauses „Hirsch“, später auch das Haus des Altdirigenten Gabler, heute Hauptstr. 21. Folgende Fotoaufnahme aus dem Jahr 1887 zeigt diese 9-stimmige Blechmusik.

Die Kapelle von 1878

Die Kapelle von 1878 von links sitzend: Hösle Johann, Sommer Ludwig, Huber Fidel, Köberle Otto; stehend: Schmid Joseph, Eberle Alexander, Unsinn Martin, Unsinn Michael, Gaismayer Otmar.

Als nun diese junge Blechmusik ans Werk ging, war es den alt ausgeschiedenen Musikanten nicht mehr wohl und sie stellten den Antrag, eine so genannte „Türkische Musik“ aus Jung und Alt zusammenzustellen. Altdirigent Gabler übernahm dann deren Leitung. Geprobt wurde in seinem Haus. Diese neue Besetzung bestand nun aus Holz und Blechbläsern, deshalb der Name „Türkische Musik“ und bestand aus 20 Mann. Sie spielten erstmals 1888 beim 25-jährigen Feuerwehrjubiläum und später dann bei mehreren Anlässen. Doch schon nach 5 Jahren beendete nach dem Ausscheiden einiger älterer Mitglieder und auch alter Instrumente diese „Türkenmusik“ ihre Tätigkeit. Der bewährte und unermüdliche Dirigent Josef Anton Gabler konnte damals auf eine 27jährige Tätigkeit zurückblicken und beschloss hiermit auch seine Laufbahn. Nun verblieb wieder die junge 9-stimmige Blechmusik als einzige Kapelle im Ort. In den nun folgenden Jahren gab es viel Wechsel bei den Musikanten und Schwierigkeiten verschiedenster Art bleiben der Blechmusik nicht erspart. So hatte sich wieder eine große Schar junger Burschen und Männer zur Blasmusik gemeldet. Die Ausbildung übernahm der Dirigent Otto Köberle, der im Jahre 1895 die Tochter seines Amtsvorgängers, Marianne Gabler geheiratet hatte. Aus der ehemaligen „Blechmusik“ war seit dem Jahre 1903 eine „Blechmusikgesellschaft Nesselwang“ hervorgegangen und erfüllte auch weiterhin viele örtliche Verpflichtungen des musikalischen Lebens.
Bei der Feierlichkeit der Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche St. Andreas am 9. Oktober 1904, sowie zwei Jahre später bei der Einweihung durch einen Sohn Nesselwangs, dem Augsburger Bischof Maximilian von Lingg, trugen die Nesselwanger Musikanten zur musikalischen Umrahmung bei. Am 15.Mai 1907 machte die Blechmusikgesellschaft Nesselwang ihren ersten Ausflug ins benachbarte Tannheimer Tal, wo auch mitunter bei Tiroler Rotwein munter aufgespielt wurde. Dies förderte den Zusammenhalt und die Gesellschaft im Vereinsleben und galt auch als Lohn für die harte Probenarbeit während des ganzen Jahres. Das folgende Bild zeigt die Blechmusikgesellschaft Nesselwang in der 11-Mannbesetzung

Die Kapelle von 1907

Namen: Dirigent – Köberle Otto
Hoch C – Trompeter Allgaier Hans
Flügelhorn – Hutzmann Ignatz
Althorn – Brenner Max u. Hutzmann Josef
Trompete EsI – Enderle Otto
Trompete EsII – Köberle Rupert
Baßtrompete I – Hösle Hans
Baßtrompete II – Doser Xaver
Posaune – Köberle Andreas
Baß – Schmid Fidel

Jetzt wurden die Nesselwanger Musikanten zu zahlreichen Festlichkeiten und Veranstaltungen des örtlichen Lebens geholt. Sie spielten aber auch bei Faschingsbällen, Hochzeiten und auch bei Vereinsfesten in den Nachbarorten, ja sie wurden sogar zu einem Schützenfest nach Görisried geholt. Ein besonderes Ereignis war das 50 jährige Jubiläum der Nesselwanger Feuerwehr am 10.August 1913. Ein Foto von diesem Parademarsch (Festzug) zeigt die Musikkapelle, wie sie mit klingendem Spiel durch die vordere Steinach (heute von Lingg-Straße) zieht, gefolgt von Feuerwehrmännern mit blitzblank polierten Messinghelmen. Die Musikanten trugen damals einheitlich schwarze Gogs (Melone).

Parademarsch von 1913

Am 1.August 1914 brach der 1. Weltkrieg aus, welcher mit eiserner Faust den so hoffnungsvollen Aufbruch der Nesselwanger Musikkapelle zerstörte. Alle jungen, und viele der älteren Musikanten mussten sofort einrücken und standen schon bald an den verschiedenen Fronten. Der Dirigent Otto Köberle konnte gerade noch 9 Mann zusammenbringen. Als am 11. November 1918 der Waffenstillstand in Kraft trat, beklagte Nesselwang 48 Kriegstote. Die kleine Musikkapelle spielte bei jeder Gefallenenehrung und so gut es ihnen möglich war, auch bei sonst üblichen Anlässen. Im Jahr 1915 war die kleine Kriegsbesetzung auf acht Mann gesunken, die nun in der Stube des „Steigbauern“ Hutzmann, jetzt Labenz in der Römerstraße, Platz gefunden hatten, um zu proben. Mit viel Fingerspitzengefühl versuchte der Dirigent Otto Köberle nach Kriegsende seine Leute wieder zu Blasmusik und zum öffentlichen Wirken in der Heimat zu motivieren. Er scheute keine Mühe alle verfügbaren Musikanten und Instrumente zusammenzubringen, um seine Harmonie-Musik-Gesellschaft wieder neu entstehen zu lassen. Er plant die Kapelle auf 30 Mann aufzustocken. Als Probelokal wurde der Saal des „Bären“ bzw. Gastzimmer zur Verfügung gestellt. Otto Köberle gelang es innerhalb kürzester Zeit mit großem Eifer wieder eine gute Kapelle aufzubauen. Bereits an Ostern 1919 konnte das erste große Konzert im Bärensaal zweimal aufgeführt werden. Die folgende Fotoaufnahme von dieser erfolgreichen Musikkapelle zeigt die erste Nachkriegsbesetzung am Ostermontag vor dem „Bären“ mit bereits 27 Mann.

Die Kapelle von 1919

Doch auch die Zeit nach dem 1. Weltkrieg brachte im Vereinsleben große Schwierigkeiten mit sich. Die Kapelle spielte nur noch wenig bei Konzerten. Vereinsfeste fielen fast ganz aus und es wurde nur noch bei gemeindlichen Anlässen sowie am Fronleichnamstag und Veteranenjahrtag gespielt. Der Zusammenhalt der Musikkapelle begann sich im Jahre 1921 zu lockern. Die älteren Musikanten zogen sich immer mehr zurück, was im Spätherbst 1921 den Niedergang der Kapelle und schließlich die Aufgabe des Dirigenten Otto Köberle im Jahre 1929 nach 35 jähriger Tätigkeit zur Folge hatte. Zunächst gab es für die Nesselwanger Musikkapelle keine Zukunft mehr. Als einzige Tätigkeit verblieb das verantwortungsvolle Amt des „Signalisten“, der das „Feuerblasen oder Sturmen“ in Brandfällen übernahm. Der Schmiedemeister Josef Deng blies das „Feurio“ bis zu seinem Unfalltod 1929, danach sein Nachbar, der Schuhmachermeister Thomas Köberle.
Noch im Jahre 1923, nach der Stabilisierung der Verhältnisse, übernahm der Kaufmann Stefan Lerpscher das Amt des Dirigenten, das er bereits 4 Jahre später im Jahre 1927 abgab. Das Ausscheiden mehrerer Bläser hatte zu diesem Rücktritt geführt. Josef Köberle, der Sohn des langjährigen Dirigenten Otto Köberle, übernahm im März 1927 das Amt des Dirigenten bereits in der dritten Generation. Sein Großvater Josef Anton Gabler hatte diesen Posten 27 Jahre und sein Vater Otto Köberle 35 Jahre inne. Josef Köberle begann nun schwungvoll seine neue Tätigkeit. Meinungsverschiedenheiten und Unzufriedenheit brachten die freie „Harmonie-Musik-Gesellschaft“ immer wieder in große Schwierigkeiten. Deshalb entschloss sich der so umsichtige Dirigent Josef Köberle im Jahre 1929 zur Gründung eines eingetragenen Vereins mit Statuten, der auf eine geregelte Grundlage gestellt wurde. Dieser Verein wurde jetzt als „Harmoniemusik Nesselwang“ benannt und am 27.Februar 1930 ins Vereinsregister des Amtsgerichts Füssen eingetragen. Eine Woche nach der Vereinsgründung am 6. September 1929 fand die Wahl der ersten Vorstandschaft statt, welche folgendes Ergebnis hatte.

1. Vorstand – Josef Kerpf
Dirigent – Josef Köberle
Kassier – Ignatz Hutzmann
Schriftführer – Otto Kappeler

Die Harmoniemusik entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem ganz bedeutenden Faktor des musikalischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Marktgemeinde Nesselwang.
In der Zeit der Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, die auch in Nesselwang sehr hart spürbar war, gelang es nur mit Mühe den Verein hochzuhalten. Doch der Vorstand Josef Kerpf und der Dirigent Josef Köberle waren ein vorzügliches Gespann. Sie meisterten mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen die Schwierigkeiten dieser Zeit und hielten den Verein zusammen. Zur Hebung des örtlichen Fremdenverkehrs wurden schon 1930 die ersten Standkonzerte am Kriegerdenkmal gespielt.
Das Jahr 1933 brachte der Musikkapelle so manches Neue. Sie wurde vom Orsgruppenleiter der NSDAP genötigt, bei Parteiversammlungen und zwar im „Geist der Neuen Zeit“ zu konzertieren und bei Propaganda und Fackelzügen der Partei und zu Ehren des neuen Reichskanzlers Adolf Hitler mitzuwirken. Nationales Phatos und schneidige Marschmusik war gefragt und gehörte nun zum festen Bestandteil jeder öffentlichen Veranstaltung. Bei eintreffenden Sonderzügen mit Gästen der staatlichen Freizeitorganisation KDF (Kraft durch Freude), zu deren Unterhaltung im Bärensaal und Verabschiedungen trat die Harmoniemusik sehr oft auf.

Die Kapelle von 1938

Von links-vordere Reihe: Landerer Alois, Haug Alois, Huber Adolf, Kerpf Josef.
Von links-hintere Reihe: Schindele Theodor, Weiß Georg, Unsinn Josef.

Im Jahre 1935 musste nun im Rahmen der politischen Gleichschaltung anstelle eines Vereinsvorstandes ein sog. „Vereinsführer“ gewählt werden. Der bislang amtierende Vorstand Josef Kerpf wurde zwar einstimmig zu diesem Posten mit der neuen Formulierung berufen, doch er nahm aus politischen Gründen das Amt nicht an. Für vieles was der Musikkapelle zu dieser Zeit aufgebürdet wurde, konnte er seine Zustimmung nicht geben. So wurde jetzt der bisherige Schriftführer Otto Kappeler neu gewählt.
Als am 1.September 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, mussten sofort neun Mitglieder der Harmoniemusik einrücken. Zwei von ihnen, Josef Unsinn und Alois Haug konnten nach einiger Zeit wieder zurückkehren. Nun musste der Dirigent Josef Köberle improvisieren, um mit seiner stark geschrumpften kleinen Kapelle auch weiterhin die örtlichen Belange erfüllen zu können. Als im Frühjahr 1945 der völlige Zusammenbruch Deutschlands diese furchtbare Zeit beendete, hatte Nesselwang 130 Gefallene zu beklagen. Die Harmoniemusik musste zunächst vier ihrer Mitglieder opfern, nach Kriegsende starben noch zwei weitere an den Kriegsfolgen. Dies waren Schindele Theo – Huber Adolf – Kiechle Willi – Weiß Georg – Eberle Klement und Thanner Pankraz. Die Zeit nach dem düsteren Ende des Krieges mit all ihrer Not ließ nicht viel Raum für Frohsinn und Musizieren. Doch der unverwüstliche Dirigent Josef Köberle brachte es schließlich doch fertig, dass allen Umständen zum Trotz, die Harmoniemusik schon beim ersten Fronleichnamsfest 1946 nach dem Krieg wieder in gewohnter Form auftreten konnte.

Im Laufe der Zeit gab es nun auch wieder etwas mehr Freude und Fröhlichkeit im Leben der Bevölkerung. So wurden 1948 wieder einige Faschingsbälle unter Mitwirkung der Harmoniemusik abgehalten, Trachtenfeste und Jubiläen gefeiert. Das folgende Bild zeigt die Harmoniemusik 1948 beim Trachtenfestzug in Immenstadt.

Harmoniemusik 1948 beim Trachtenfestzug in Immenstadt

Am 21. Oktober 1948 konnte der langjährige Vorstand Otto Kappeler wieder erstmals seit 1939 eine Generalversammlung abhalten, bei der er nach 14jähriger Vereinsarbeit zurücktrat. Sein Nachfolger wurde der Fuhrunternehmer Theodor Martin. Die Blaskapelle war nun wieder auf 25 Mann angewachsen. Im Jahre 1951 erfolgte der Beitritt zum Allgäuer Musikbund. Am Hl. Abend 1952 spielte erstmals eine Bläsergruppe der Harmoniemusik weihnachtliche Weisen hoch vom Kirchturm der Pfarrkirche St. Andreas herunter. Diese Tradition wurde bis heute fortgesetzt. Die folgende Aufnahme zeigt die Harmoniemusik 1952.

Die Kapelle von 1952

Von links- sitzend: Josef Unsinn, Mayr Reinhold, Hägele Adolf, Josef Köberle (Dirigent), Franke Franz, Haug Alois, Erhart Richard.
Von links- -zweite Reihe: Landerer Alois, Allgaier Rudolf, Tyll Adolf, Kerpf Josef, Martin Theodor, Köberle Thomas, Eberle Herbert, Böck Xaver.
Von links- -zweite Reihe: Hutter Hermann, Bader Alfons, Settele Anton, Lipp Magnus, Kappler Otto, Gröschl Franz, Böck Ludwig, Keller Schorsch.

Der langjährige und beliebte Dirigent Josef Köberle war im Frühjahr 1953 schwer erkrankt und musste seinen Taktstock aus der Hand legen. Er verstarb am 14. Mai 1953. 26 Jahre war er der Harmoniemusik als Dirigent vorgestanden. Schweren Herzens trugen die Musikanten ihren „Vater“ Josef Köberle zu Grabe. Als Nachfolger wurde der stellvertretende Dirigent Alois Landerer bestimmt. Im gleichen Jahr legte nun auch der Vorstand Theodor Martin sein Amt nieder. Sein Nachfolger war Adolf Hägele. Im Jahr 1956 kam es zu Differenzen mit dem Dirigenten, der darauf sein Amt niederlegte. Der Füssener Dirigent Pleimeier half vorübergehend aus. Bei der Generalversammlung im selben Jahr wurde der bisherige Vorstand Adolf Hägele aus Schneidbach zum Dirigenten und Richard Erhart aus Hertingen zum Vorstand gewählt.
Franz Gröschl, einer der talentiertesten Musikanten übernahm am 14.Dezember 1960 das Dirigentenamt, nachdem er einen Dirigentenkurs mit der Note „vorzüglich“ abgeschlossen hatte. Sein Amtsvorgänger Adolf Hägele wurde als Dank für seine Arbeit mit dem Marsch „Alte Kameraden“ verabschiedet. Franz Gröschl begann seine Dirigentenlaufbahn mit großem Schwung.
Zum ersten Mal führte die Musikkapelle am Palmsonntag 1961 die Palmprozession vom Schulhof zur Kirche an. 1962 veranstaltete die Bergwacht Nesselwang erstmals eine große öffentliche Nikolausveranstaltung, die von der Harmoniemusik mit weihnachtlichen Weisen stimmungsvoll musikalisch umrahmt wurde. Im Frühjahr 1963 wurde die Musikkapelle neu eingekleidet. Am 19. Mai, dem Tag der Blasmusik, konnten der Dirigent Franz Gröschl und der Vorstand Richard Erhart vormittags in der Kirche und beim abendlichen Frühjahrskonzert ihre Musikanten im neuen Gewand vorstellen. Das „Allgäuer Gwand“ bestand aus einer moosgrünen Jacke, weinrotem Wams, schwarzer Bundhose, grauen Strümpfen und Haferlschuhen. Den breitkrämpigen Hut zierte eine graue Kordel. Erstmals feierte die Feuerwehr 1966 den St. Florianstag, der beim abendlichen Gottesdienst und anschließendem Fest von der Harmoniemusik umrahmt wurde. Aus gesundheitlichen Gründen musste 1966 der 1. Vorstand Richard Erhart seinen Posten aufgeben. Als Nachfolger wurde der langjährige stellvertretende Vorstand Josef Allgaier aus Wank gewählt. In diesen Jahren wurde der Nesselwanger Marsch immer populärer. Der ehemalige Dirigent Josef Köberle hatte ihn komponiert. Nach seinem Tod wurden diese Noten der Harmoniemusik zum Vermächtnis. Franz Gröschl verstand es ganz besonders dieses schöne Erbe seinen Musikanten einzuprägen, was heute immer noch mit Erfolg gelingt.
Ein großes Ereignis war 1968 die Erringung der olympischen Goldmedaille in der Nordischen Kombination durch den Nesselwanger Franz Keller. Seine Heimkehr aus Grenoble wurde stürmisch gefeiert und von der Harmoniemusik festlich umrahmt.